Urlaub, Reisen und Krankheit

Vorbemerkungen

Der Reiseverkehr hat in den letzten Jahrzehnten gewaltig zugenommen: Man reist häufiger, schneller, weiter. Die Lust am Reisen ist groß. Reisen hat aber - wie jede menschliche Aktivität - auch Risiken. In dieser Übersicht soll gezeigt werden, welche gesundheitlichen Risiken Fernreisen haben und wie diese Risiken gemindert werden können.

Eine Vorbemerkung sei noch erlaubt: Der Gesetzgeber hat zum 1. Januar 1993 bestimmt, daß die Kosten für vorbeugende medizinische Maßnahmen im Zusammenhang mit (Fern)Reisen nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden dürfen. Impfungen und Medikamente (und auch die Beratung beim Arzt) müssen von den versicherten Reisewilligen also selbst bezahlt werden. Es gibt hier nur zwei Ausnahmen: 1. Impfungen, die auch in Deutschland sinnvoll sind (wie etwa Diphtherie, Tetanus oder FSME) werden von den Kassen übernommen und 2. Alle vorbeugenden Maßnahmen werden dann vollständig von den Kassen bezahlt, wenn die Reise rein beruflich bedingt ist.

Das Wechselspiel der Bürokratie zeigt sich hier übrigens wieder ganz deutlich: Erst wenige Jahre vorher waren die Vorsorgemaßnahmen für Tropenkrankheiten in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen worden!

Allgemeines

Reisen soll man nur, wenn man sich gesund fühlt. Die Reiseart soll sich nach dem individuellen Gesundheitszustand richten. So ist etwa Fliegen für Menschen, die einen verminderten Sauerstoffdruck (der in einer Flugzeugkabine etwa einer Höhe von 2.500 Metern entspricht) nicht tolerieren, nicht zu empfehlen. Das gilt etwa nach einem kürzlich überstandenen Herzinfarkt oder bei fortgeschrittenen Lungenkrankheiten.

Schnelle Reisen über Zeitzonen hinweg führen unter anderem zu Verschiebungen im Schlaf-Wach-Rhythmus, zu Konzentrationsstörungen und zu verschiedenen anderen Auffälligkeiten ("jet lag"); es dauert einige Tage, bis ein neues Gleichgewicht erreicht ist.

Rollende Schaukelbewegungen (auf Schiffen, in Flugzeugen bei unruhigem Flug) können über Innenohrreizungen zu Schwindel, Übelkeit und Brechreiz führen (sog. "Reisekrankheit"). Wer solche Schaukelbewegungen nicht toleriert, sollte eine andere Reiseart wählen; vorbeugende Medikamente ("Reisekrankheitstabletten oder -pflaster") können zwar durchaus helfen, belasten aber den Körper mit Fremdstoffen.

Die Strahlenbelastung in den heute üblichen Reiseflughöhen ist erheblich. Bei Vielfliegern (also etwa bei Flugpersonal) kann demnach durchaus von einem erhöhten Risiko strahlenbedingter Erkrankungen ausgegangen werden.

Die Funktion von Herzschrittmachern kann durch Radarstrahlen oder elektromagnetische Felder gestört werden.

Langes Sitzen ist bei Menschen mit Krampfadern, geschwollenen Beinen oder Hüftgelenksleiden möglichst zu vermeiden. In Zügen, Flugzeugen und auf Schiffen kann man sich ja durchaus bewegen. Autos und Busse kann man bekanntlich für eine kurze Bewegungspause verlassen!

Aufenthalt in großen Höhen können bei nicht adaptierten Personen eine Höhenkrankheit auslösen: (Extreme) Schwäche, Atemnot, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, Verwirrung, Erbrechen. Nach Abstieg auf niedrigere Höhe klingen die Beschwerden rasch ab.

Unfälle (und hier vor allem Verkehrsunfälle) sind die häufigste Todesursache auf Reisen! Die mangelnde medizinische Versorgung in unterentwickelten Ländern trägt auch hierzu bei. Verkehrsregeln müssen beachtet werden. Auf Linksverkehr muß man sich erst einstellen. Leihfahrzeuge sollte man kritisch überprüfen. Außerdem muß man sich im Urlaub nicht unbedingt risikofreudiger als zu Hause geben!

Große Hitze kann zu einem Hitzekollaps durch Wasser- und Salzverlust führen. Bei verminderter Wärmeabgabefähigkeit (wenn z.B. schwüle, stark feuchtigkeitshaltige Luft Schwitzen nicht zuläßt) kann es zu einem Hitzschlag kommen mit stark erhöhter Körpertemperatur, Verwirrtheitszuständen und Lebensgefahr. Zufuhr von (kühler) - mineralienhaltiger - Flüssigkeit bei Wärmestau ist leicht möglich; bei stark erhöhter Körpertemperatur ist rasche Kühlung (kaltfeuchte Umschläge, kühles Bad) notwendig. Fiebersenkende Mittel haben hier keine Wirkung!

Die ungewohnt kräftige Sonnenstrahlung in südlichen Ländern kann bekanntlich (besonders bei hellhäutigen Menschen) Sonnenbrände verursachen. Wiederholte Sonnenbrände erhöhen das Risiko für verschiedene Hautkrebsarten. Sonnenschutzpräparate (mit hohem Lichtschutzfaktor), Bekleidung und schattenspendende Kopfbedeckung schirmen die Haut ab. Grelles Licht kann die Augen schädigen: Gute Sonnenbrillen schützen.

Besonders in tropischen Ländern kann man sich beim Baden in verseuchten Binnengewässern verschiedene Augen-, Haut- und Darminfektionen zuziehen. Da hier das Risiko für eine (manchmal sehr unangenehme) Erkrankung sehr hoch ist, sollte man besser nur in hygienisch einwandfreien (dann aber auch meist gechlorten) Schwimmbecken schwimmen.

Baden im Meer ist dagegen nur sehr selten mit einem Infektionsrisiko verbunden; der direkte Hautkontakt mit Qualen, Seeanemonen, Seesternen etc. ist aber auch nicht sehr angenehm. Giftige oder beißende Fische können weitgehend sicher gemieden werden, wenn man sich auf empfohlene Badestrände beschränkt.

Taucher sollten niemals alleine unter Wasser gehen. Erfahrene Begleiter in unsicheren oder schwierigen Gewässern sind (lebens-)wichtig.

Biß- und Stichwunden müssen grundsätzlich ärztlich behandelt werden.

Eine ganze Reihe von Krankheiten (z.B. Malaria, Gelbfieber, Gehirnentzündungen, Schlafkrankheit, Fleckfieber, Pest, Lyme-Borreliose) wird durch stechende Insekten übertragen. Zum Schutz vor solchen Insektenbissen sollten insektenverseuchte Gebiete gemieden werden und (zumindest in der stechfreudigen Zeit - meist nachts) der Körper weitgehend vollständig bedeckt sein. Insektennetze und evtl. geschlossene (klimatisierte) Räume verwehren Insekten den Zugang.

Tollwut kommt in fast allen Ländern der Erde vor (ausgenommen sind z.B. Großbritannien, Australien, Neuseeland); nach Biß durch ein möglicherweise tollwutinfiziertes Tier muß sofort ärztliche Hilfe gesucht werden!

Eine Tetanusauffrischimpfung ist bei unvollständigem Impfschutz nach jeder offenen Verletzung oder nach einem Tierbiß notwendig.

Schlangen- und Skorpionbisse sind selten, da diese Tiere eher scheu sind und vor dem Menschen fliehen. Da diese Bisse aber ernsthafte Folgen haben können, muß jeder Biß ärztlich behandelt werden. Wenn möglich, sollte das (getötete) Tier mitgebracht werden.

Essen und Trinken von kontaminierten Lebensmitteln und Getränken sind die häufigsten Quellen von infektiösen Durchfallerkrankungen, Cholera, Typhus, Paratyphus, Kinderlähmung, Virushepatitis, Darm- und Eingeweidewürmern. Grundsätzlich gilt: Nur das essen und trinken, was man kochen oder schälen kann! Wasser kann gekocht, gefiltert oder durch Desinfektionstabletten keimfrei gemacht werden. Heiße Getränke oder (von einer Fabrik) in Flaschen abgefüllte Getränke (wie Bier oder Mineralwasser) sind im allgemeinen sicher. Eiswürfel und Speiseeis sind häufige Infektionsquellen.

Durchfallerkrankungen sind sehr häufig (geschätzt bei etwa 30 % der Reisenden in tropische Länder). Vorbeugende Impfungen sind nur für Cholera und Typhus der aber nur selten mit Durchfall einhergeht) verfügbar. Bei jeder Durchfallerkrankung muß der Flüssigkeitsverlust (der bei der Cholera bis zu 30 Liter pro Tag erreichen kann!) ersetzt werden! Dazu muß ein mineralienhaltiges Getränk (abgekocht) hergestellt werden. Hierfür gibt es Fertigpulver bei Apotheken oder in Travellershops. Notfalls verwenden Sie folgendes Rezept (nach Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation):
Auf einen Liter abgekochtes Trinkwasser gibt man:
  • 1 knapper Teelöffel Kochsalz
  • 1 Teelöffel Backpulver
  • 1 Tasse Orangensaft (oder 2 Bananen)
  • 3 Eßlöffel Zucker

Bakterielle Durchfallerkrankungen können zusätzlich antibiotisch behandelt werden.

Geändertes Sexualverhalten (Stichwort "Sextourismus") im Urlaub erhöht das Risiko für Geschlechtskrankheiten sehr stark; nicht nur die klassischen venerischen (von Venus) Infektionen wie Syphilis oder Tripper werden bei Sexualkontakten übertragen - auch Hepatitis B, Hepatitis C, Herpes genitalis und AIDS werden überwiegend so weitergegeben. Das Risiko läßt sich natürlich vermindern, wenn Intimkontakte mit Prostituierten und häufig wechselnde Geschlechtspartner gemieden und riskante Sexualpraktiken vermieden werden. Kondome bieten einen zusätzlichen (aber beschränkten) Schutz. Gegen die Hepatitis B kann vorbeugend geimpft werden. Die chronische Hepatitis C kann mäßig erfolgreich behandelt werden. AIDS ist immer tödlich. Der Herpes genitalis kann zwar behandelt, aber nicht geheilt werden. Alle anderen Geschlechtskrankheiten sind heilbar.

Eine bestehende Schwangerschaft stellt im allgemeinen keinen Hinderungsgrund für eine Reise dar. Flugreisen im letzten Schwangerschaftsmonat sollten vermieden werden. Impfungen mit Lebendimpfstoffen sind nur in Ausnahmefällen (z.B. bei Polio) möglich. Malariagebiete sollten möglichst nicht besucht werden, da ein Teil der Malariamedikamente schädlich für das ungeborene Kind sind. Auch andere Medikamente sollen in der Schwangerschaft nur bei erwiesener Unschädlichkeit angewandt werden.

Reiseapotheke

Neben den Medikamenten, die der Reisende auch zu Hause einnehmen muß, können folgende Medikamente und Hilfsmittel sinnvoll sein:

Schmerzmittel;


Die folgenden Abschnitte befassen sich mit den (Tropen-)Krankheiten, die für Urlauber von größerer Bedeutung sind. Ein Teil dieser Krankheiten läßt sich durch Impfungen oder andere Vorbeugemaßnahmen vermeiden.

Cholera

Die Cholera wird durch kommaförmige Bakterien (Vibrionen) hervorgerufen. Nach Aufnahme von cholerakontaminierten Nahrungsmitteln (z.B. Meerestiere) vermehren sich die Cholerabakterien sehr schnell im Dünndarm des infizierten Menschen. Diese Bakterien produzieren ein Gift (Enterotoxin), das nach einer Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Krankheitsausbruch) von wenigen Stunden bis zu fünf Tagen die Darmschleimhaut anschwellen läßt, die dann in sehr großen Mengen Flüssigkeit in das Darmlumen absondert, was zu massiven, reiswasserartigen Durchfällen führt. Wegen der ausgeprägten Wasser- und Salzverluste können die Patienten innerhalb weniger Stunden kollabieren und sterben.

Die Behandlung ist einfach: Massive Zufuhr von geeigneter Flüssigkeit (wenn notwendig über Infusionen) und antibiotische Therapie; Beobachtung und Behandlung müssen fast immer in einem Krankenhaus durchgeführt werden.

Die aktive Schutzimpfung gegen Cholera ist nicht sehr wirksam und deshalb auch nicht zu empfehlen. Einige Länder schreiben allerdings für Reisende, die aus einem choleraverseuchten Land einreisen, eine Impfung vor (z.B. bei Einreise nach Venezuela).

Cholera ist eine der vier klassischen Quarantänekrankheiten (Cholera, Gelbfieber, Pest und Pocken): Möglicherweise Infizierte müssen bis zum Ende der Inkubationszeit isoliert werden. Cholerainfektionen kommen vor allem in (sub)tropischen Ländern mit ungenügender Abwasserhygiene vor, v. a. in Südamerika, Afrika und Asien.

Gelbfieber

Das Gelbfiebervirus wird durch Stechmücken auf den Menschen übertragen. Nach einer Inkubationszeit von drei bis sechs Tagen kommt es zu einer etwa vier Tage anhaltenden Fieberperiode. Nach einer daran anschließenden ein bis zwei Tage dauernden fieberfreien Zeit setzt dann ein erneuter Fieberanstieg mit Gelbsucht, schwerer Leberschädigung und Gerinnungsstörungen ein. Die Patienten sind schwer krank. Diese zweite Fieberphase endet nach ein bis zwei Wochen. Etwa 10 % der Patienten sterben.

Eine wirksame Behandlung gibt es nicht, lediglich die Symptome lassen sich dämpfen.

Die aktive Schutzimpfung gegen Gelbfieber ist sehr wirksam und garantiert einen Impfschutz für etwa 10 Jahre. Zur Impfung zugelassen sind (aus mir unbekannten Gründen) nur bestimmte Impfstellen (meist Tropeninstitute, Universitätskliniken, bestimmte Gesundheitsämter oder mikrobiologische Labors). In vielen Ländern ist eine Gelbfieberimpfung vorgeschrieben (z. B. Gabun, Kongo, Niger). Auch das Gelbfieber gehört zu den klassischen Quarantänekrankheiten mit Isolationspflicht für möglicherweise infizierte Personen.

Hepatitis A (infektiöse Gelbsucht)

Die Hepatitis A tritt in Ländern mit schlechter Hygiene als Kinderkrankheit auf. Sie wird durch kontaminierte Nahrung und verschmutztes Trinkwasser übertragen. Nach einer Inkubationszeit von 15 bis 50 Tagen kommt es zu Appetitlosigkeit, Brechreiz und Bauchschmerzen bei leichtem Fieber. Nach kurzzeitiger Besserung kommt es zu einer zweiten Krankheitsphase mit vergrößerter, druckschmerzhafter Leber und Gelbsucht. Dabei steigt die Körpertemperatur deutlich (manchmal bis über 40 °C) an. Bei extremer Leberbeteiligung kann es zu einer (dann tödlichen) Leberzersetzung kommen. Nach Abklingen der Akutkrankheit besteht lebenslange Immunität. Es kommt bei der infektiösen Gelbsucht niemals zu einem Übergang in eine chronische Leberentzündung.

Eine Behandlung ist - wie bei fast allen Viruserkrankung - nicht möglich. Lediglich die Beschwerden der Kranken lassen sich bessern. Im Extremfall (beim akuten Leberversagen) kann eine Lebertransplantation lebensrettend sein.

Inzwischen ist eine Aktivimpfung verfügbar. Hier wird durch eine zweifache Impfung mit nicht mehr infektionsfähigen Hepatitis-A-Viren ein langzeitiger (mindestens 10 Jahre) Schutz erreicht. Die Kosten für eine Aktivimpfung betragen etwa 130,- DM. Die früher häufig durchgeführte Passivimpfung mit menschlichem Immunglobulin ist obsolet.

Hepatitis B

Das Hepatitis-B-Virus wird überwiegend durch Geschlechtsverkehr und Blut (oder Blutprodukte) übertragen. Auch kontaminierte Tätowierungsnadeln, Ohrlochstecher, Rasierapparate, Injektionsnadeln etc., können zur Infektion führen. Nach einer Inkubationszeit von 60-180 Tagen kommt es (wenn die Infektion nicht sowieso völlig symptomlos abläuft) zu Symptomen ähnlich wie bei der Hepatitis A. Ein akutes Leberversagen kann auch hier auftreten, der Übergang in eine chronische Hepatitis mit all ihren Folgen (Leberzirrhose, Leberzellkrebs) wird bei etwa 5-10 % der Infizierten beobachtet.

Eine Behandlung der akuten Hepatitis B ist wiederum nur symptomatisch möglich; für die Behandlung der chronischen Hepatitis B kommt neben immunitätssteigernden Mitteln (z.B. Interferone) auch die Lebertransplantation in Frage.

Die Hepatitis B läßt sich durch eine aktive Impfung verhindern (Kostenpunkt  für die 3 erforderlichen Impfungen ca. 350,- DM; bei Kindern und Jugendlichen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres werden die Kosten inzwischen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen; bei berufsbedingten Gefährdungen - z.B. bei Krankenschwestern - muß die Impfung durch den Arbeitgeber bezahlt werden). Eine passive Immunisierung ist nur mit speziellen (und sehr teuren) Hyperimmunglobulinpräparaten möglich. Sie wird deshalb nur nach einer vermuteten oder möglichen Ansteckung (z.B. bei Medizinalpersonal nach Nadelstichverletzung) innerhalb von maximal 72 Stunden durchgeführt.

Malaria

Die Erreger der wohl bekanntesten Tropenkrankheit sind kleine einzellige Lebewesen (Plasmodien). Sie werden durch Stechmücken übertragen. Es werden verschiedene Malariaarten unterschieden; die gefährlichste ist die Malaria tropica. Die Inkubationsdauer liegt zwischen sieben Tagen und sechs Wochen. Der Malariaanfall beginnt meist mit Schüttelfrost und schnell ansteigendem Fieber bis über 40 °C. Das Fieber fällt nach wenigen Stunden unter starkem Schwitzen wieder ab. Der Patient fühlt sich nach dem Fieberanfall wieder relativ wohl. Nach ein bis drei Tagen steigt die Temperatur bei Schüttelfrost erneut. Diese Zyklen setzen sich mehr oder weniger regelmäßig (je nach Malariaart) fort. Die gefürchtete Malaria tropica führt sehr häufig zu sehr untypischen Verläufen. Alle Symptome und Folgeerscheinungen sind bei der Malaria tropica im allgemeinen wesentlich schwerer als bei den übrigen Formen: In kurzer Zeit kommt es zum Zerfall sehr vieler roter Blutkörperchen, zur Leberschwellung, zur Blutarmut und zu Bewußtseinsstörungen. Es kann zum Nierenversagen und zu lebensbedrohlichen Gehirnveränderungen kommen.

Zur Behandlung der manifesten Malaria stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Da die Diagnostik und die Therapie der (lebensbedrohlichen) Malaria Erfahrung voraussetzt, sollen Erkrankte möglichst in einer tropenmedizinischen Abteilung behandelt werden.

Auch zur vorbeugenden Einnahme steht eine ganze Reihe von Medikamenten zur Verfügung. Die Auswahl richtet sich nach dem Reiseziel, der Reisedauer und evtl. Begleitkrankheiten und Allergien des Reisenden. Da sich die Resistenzsituation der Malariaerreger relativ schnell ändert und ständig neue Medikamente entwickelt werden, muß vor jeder Reise in die (Sub-) Tropen ein Einnahmeschema durch einen erfahrenen Arzt aufgestellt werden. Vorbeugende Malariamittel müssen immer schon vor der Einreise in Malariagebiete eingenommen werden und die Einnahme muß dann regelmäßig bis einige Wochen nach Verlassen der Malariazone weitergeführt werden. Ein Impfstoff steht (immer noch nicht) zur Verfügung.

Ein aktuellle Übersicht über die erforderliche Malariabehandlung in einem speziellen Gebiet ist auf den Seiten der Deutschen Tropengesellschaft zu finden.

Polio (Kinderlähmung)

Die Poliomyelitis anterior ist eine Viruserkrankung, die in den Entwicklungsländern als Kinderkrankheit auftritt. Sie führt bei einem Teil der Infizierten (nach einer Inkubationszeit von etwa 10 Tagen) zu einer kurzen fieberhaften Erkrankung mit Kopfschmerzen. Nach einem kurzzeitigen Fieberabfall kommt es in einem zweiten Stadium zu erneutem Fieberanstieg, Unruhe, Schläfrigkeit, starken Kopfschmerzen und Lähmungen. Diese Lähmungen sind unterschiedlich ausgeprägt und bleiben oft nach Abklingen der akuten Erkrankung lebenslang bestehen. Je ausgeprägter der Rückenmarks- und Gehirnbefall, desto umfangreicher die Lähmungen. In zivilisierten Ländern hat die umfassende Polioimpfung zum fast vollständigen Verschwinden der Krankheit geführt.

Die manifeste Kinderlähmung kann - wiederum - nur symptomatisch behandelt werden. Die aktive Impfung (die alle drei bekannten Poliovirustypen enthält) ist sehr gut verträglich und gibt einen sicheren Impfschutz für mindestens 10 Jahre. Die ständige Impfkommision empfiehlt derzeit, nur noch eine Auffrischimpfung im Schulkindalter durchzuführen. Ansonsten werden Auffrischimpfungen nur noch bei Reisen in Entwicklungsländer empfohlen.

Tetanus (Wundstarrkrampf)

Tetanusbakterien, die überall in der Welt in der Erde nachweisbar sind, erzeugen unter Luftabschluß ein hochwirksames Gift (Tetanustoxin), das durch Veränderungen der Nervenzellfunktion zu ständigen Verkrampfungen der Skelettmuskulatur führt. Die ersten Muskelkontraktionen beginnen meist im Kopfbereich und breiten sich dann über die gesamte Körpermuskulatur aus. Es kommt zu schwersten Dauerkrämpfen, die schließlich zum Tod durch Ersticken führen. Der Tetanus endet in schweren Fällen immer tödlich. Die Tetanusbakterien gelangen durch Hautverletzungen in den Körper. Erst hier unter Luftabschluß (Wundtaschen etc.) vermehren sie sich und geben dabei das Toxin ab.

Die Behandlung versucht, das im Körper befindliche Tetanustoxin mit einem Antitoxin zu binden; die vielleicht noch erkennbare Infektionsstelle wird oft noch chirurgisch eröffnet, da Sauerstoff für die sich nur unter Sauerstoffausschluß vermehrenden Bakterien entwicklungshemmend wirkt. Die übrigen Maßnahmen sind symptomatisch: Muskelentspannende Medikamente (z.B. Curareabkömmlinge), Beruhigungsmittel, künstliche Beatmung, Temperaturregulierung etc. „Leichte“ Tetanuserkrankungen können so (folgenlos) überlebt werden.

Die Aktivimpfung gegen Tetanus ist (meist in Kombination mit einem Diphtherieimpfstoff verabreicht) hochwirksam und gut verträglich. Nach einer Erstimpfung im Kleinkindesalter muß alle 10 Jahre eine Auffrischung erfolgen. Besteht keine ausreichende Immunität, wird nach einer Verletzung entweder eine sofortige Auffrischung oder eine Auffrischung kombiniert mit einer Passivimpfung d.h. einer Gabe von Tetanusantikörpern) durchgeführt. Auch die Tetanusimpfungen werden von den Krankenkassen bezahlt.

Typhus (und Paratyphus)

Typhus und der etwas leichter verlaufende Paratyphus wird nach Schlucken bestimmter Salmonellenarten nach einer Inkubationszeit von etwa 14 Tagen manifest: Nach unspezifischen Beschwerden (Gelenkschmerzen, Unwohlsein, leichtes Fieber) kommt es zu stark erhöhten Körpertemperaturen bis über 40 °C mit Kopfschmerzen und Benommenheit. Die Milz schwillt an, oft entstehen am Bauch kleine samtrosafarbene Flecken (Roseolen). Trotz des hohen Fieber bleibt die Pulsfrequenz relativ niedrig. Gegen Ende der zweiten Krankheitswoche kann es zu Darmblutungen und auch zum Darmdurchbruch kommen. Unbehandelt sterben etwa 10 % der Erkrankten.

Die antibiotische Behandlung ist (frühzeitig begonnen) sehr wirksam, die Auswahl des geeigneten Antibiotikums aber nicht immer einfach. Wenn möglich, sollte aus dem Stuhl (oder auch aus dem Blut des Erkrankten) der Erreger gezüchtet werden, um die Antibiotikaempfindlichkeit testen zu können.

Typhus ist bei uns in Deutschland (nach der Sanierung der früher meist für die Infektion verantwortlichen Rinderbestände) sehr selten geworden. In Entwicklungsländern ist der Typhus aber nach wie vor sehr verbreitet. Die Einhaltung hygienischer Standardregeln (siehe weiter oben) verhindern eine Infektion zuverlässig.

Die heute oft durchgeführte (dreifache!) Schluckimpfung oder die Impfinjektion sind nicht 100% zuverlässig, wird aber für viele (sub)tropische Länder empfohlen.


Ärztliche Beratung erforderlich!

Vor Reisen in (sub)tropische Länder sollten Sie sich unbedingt rechtzeitig von einem fachkundigen Arzt beraten lassen. Reisebüros verbreiten gar nicht so selten falsche oder veraltete Informationen. Bei Mehrfachimpfungen müssen ausreichende Abstände zwischen den verschiedenen Impfungen eingehalten werden. Vorbeugende Behandlungen können nicht immer erst am Abreisetag begonnen werden.

Informationen zu Impfungen erhalten Sie auch über das und über die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin.