Zeckenencephalitis - FSME

Frühsommermeningoencephalitis: Impfen oder nicht impfen?

Die Überträger

Zecken sind kleine achtbeinige Gliedertiere, die mit den Milben nahe verwandt sind. Diese beiden Familien gehören zur Klasse der Spinnentiere. Vor den vier Schreitbeinpaaren befinden sich noch zwei Gliedmaßenpaare, die zusammen das Beißwerkzeug der Zecke bilden. Von den erwachsenen Tieren saugt nur das Weibchen Blut. Es läßt sich dazu auf ein geeignetes Säugetier (unter anderem eben auch auf den Menschen) fallen, beißt sich dort (schmerzlos) fest und fängt nach etwa 10 bis 20 Stunden an, Blut zu saugen. Nach 3 bis 10 Tagen hat es dann etwa 400 mg Blut (also weniger als ½ ml) aufgenommen und läßt sich wieder vom Wirtstier abfallen. Erst nach dieser Blutmahlzeit wird die weibliche Zecke geschlechtsreif. Sie legt nach der Begattung etwa 3000 Eier auf dem Erdboden ab. Die aus einem Ei ausschlüpfende (sechsbeinige) Larve klettert auf einen Busch und läßt sich ebenfalls auf ein Blutopfer fallen. Nach ihrer ersten Blutmahlzeit häutet sie sich am Boden und entwickelt sich über ein Zwischenstadium zum erwachsenen Tier fort.

Die in unseren Breiten häufigste, gewöhnliche Zecke ist der Holzbock mit einem bräunlich-grauen sackförmigen Leib, der vor dem Blutsaugen etwa 3-4 mm, nach einer vollständigen Blutmahlzeit prall gefüllt etwa 1 cm groß ist.

Die Krankheiten

Zecken übertragen eine Vielzahl verschiedener Krankheitserreger, wie etwa die Erreger des Q-Fiebers, des Rückfallfiebers, des Rocky-Mountain-Spotted-Fiebers, der Tularämie etc. Von Bedeutung hier in Mitteleuropa sind nur zwei Krankheitserreger: Die Borrelien (Bakterien, die eine schmerzhafte Gelenk- und Nervenentzündung und in späteren Stadien Entzündungen des zentralen Nervensystems und auch des Herzens hervorrufen können) und die Erreger der Frühsommermeningoenzephalitis (die FSME-Viren). Die FSME (oder Zeckenenzephalitis) ist eine Krankheit, bei der etwa 10-30 Tage nach dem Zeckenbiß die typischen Kennzeichen einer Gehirn- und Gehirnhautentzündung auftreten: Kopfschmerzen, Verwirrungszustände, Lähmungen, Gefühlsstörungen etc. In über 95 % der symptomatischen Fälle bilden sich alle Beschwerden wieder restlos zurück. Bei etwa 3-5 % bleiben Restsymptome zurück, etwa 1 % endet tödlich.

Das Risiko, nach einem Zeckenbiß eine manifeste FSME zu bekommen, ist abhängig von der Gegend, in der man von einer Zecke gebissen wird: Es gibt Landstriche, wo der Anteil an Zecken, in deren Speichel FSME-Viren gefunden werden, sehr hoch ist (etwa in Österreich, Finnland, aber auch in bestimmten Gegenden Bayerns und Baden-Württembergs) - es gibt aber auch Gegenden, in denen höchstens vereinzelt FSME-Viren in Zecken gefunden wurden (etwa in Niedersachsen). Das geschätzte Risiko für eine FSME nach einem Zeckenstich beträgt etwa in Österreich ca. 1:500, in Bayern zwischen 1:2.000 und 1:10.000.

Schutzmaßnahmen

Vermeiden von Zeckenstichen

Zecken holt man sich bekanntlich in Wäldern und Waldrandgebieten. In unseren Steinwüstenstädten kann man Zecken höchstens im Fell von Hunden, die im Waldgebiet waren, bewundern. Wer sich im Wald oder in Waldrandgebieten aufhält, trägt immer auch das Risiko, von einer Zecke befallen zu werden. Dichte Kleidung bietet nur geringen Schutz: Zecken finden die Lücken. Warum manche Menschen nicht von Zecken gebissen werden ist eindeutig: Sie riechen für das wirtstierwahrnehmende Hallersche Organ der Zecke nicht angenehm genug.

Menschen schmieren sich ja sehr gerne mit allen möglichen teuren und sinnlosen Cremes und Wässerchen ein; ein zeckenabstoßendes Kosmetikum existiert aber nicht.

Aktive Impfung

Die aktive FSME-Impfung (bei der abgetötete FSME-Viren gespritzt werden) hat eine nahezu 100%-ige Schutzwirkung nach drei Impfdosen. Alle drei Jahre muß eine Auffrischimpfung erfolgen. Die Verträglichkeit der Impfung ist nach den amtlichen Statistiken sehr gut, ernste Komplikationen sind nur vereinzelt berichtet worden. Diese Aktivimpfung wird allen empfohlen, die sich häufiger in Gebieten aufhalten, wo die Zeckenenzephalitis endemisch (das heißt heimisch) ist. Seit Einführung der Aktivimpfung (aktiv deswegen, weil hier der Geimpfte selbst die Antikörper gegen den Krankheitserreger bildet) ist die Zahl der gemeldeten FSME-Fälle in Österreich etwa um 80 % zurückgegangen

Passive Impfung

Im Gegensatz zur aktiven Impfung wird hierbei (meist nach einem Zeckenbiß in einem Endemiegebiet) einem bisher Ungeimpften ein Immunserum verabreicht, das die Antikörper gegen die FSME-Viren enthält. Dieses Antiserum wird von menschlichen Spendern gewonnen. Das Risiko einer ernsten Komplikation ist hier deutlich höher als bei der aktiven Impfung. Zudem ist diese passive Impfung nur innerhalb von maximal 72 Stunden nach Zeckenbiß sinnvoll; sie schützt auch nur zu etwa 60-70 % vor dem Ausbruch einer Zeckenenzephalitis. Die Schutzwirkung währt längstens 6-8 Wochen. Diese Impfung wird also auch nur jenen empfohlen, die ungeschützt in einem Endemiegebiet von einer Zecke gebissen wurden.

Unsere Empfehlungen

Übrigens: Ärzte tun sich mit der Entfernung von Zecken auch nicht leichter als Sie: Am einfachsten geht's immer noch kurz nach dem Biß, da hier die Beißwerkzeuge noch nicht so fest greifen. Die immer wieder zu lesenden Tips, mit Öl oder Klebstoff den Körper der Zecke zu bedecken, damit die dann erstickte Zecke sich leichter entfernen läßt, ist völlig sinnlos: Die Beißwerkzeuge öffen sich deswegen noch lange nicht. Eine festgebissene Zecke greift man mit einer geeigneten Pinzette möglichst weit vorne am Kopf und dreht sie dann langsam mit wenig Zug in einer Richtung. Dadurch lassen sich die Beißwerkzeuge meist vollständig aus der Haut ziehen. Bleiben einzelne Teile zurück, entfernt man diese halt auch einzeln.

Und Vorsicht:

Achten Sie in den Wochen nach einem Zeckenbiß auf die Symptome der im Vergleich zur FSME weitaus häufigeren Borrelienerkrankung (wie langsam sich ausbreitende Hautrötung um die Stichstelle oder Gelenkentzündung). Gegen diese Krankheit gibt es zwar keine Impfung, aber sie kann im Frühstadium immer durch geeignete Antibiotika geheilt werden. Siehe auch http://www.lymenet.de/.
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